Ausstellung "PERFECT WORLD"


  • Werke von Christian Hellmich, Sven Kroner und Pere Llobera
  • Vom 21. Dezember 2016 bis zum 30. April 2017

Wo ist der Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Geheimnis? Wie schaffen die drei zeitgenössischen Künstler Christian Hellmich, Sven Kroner und Pere Llobera mit den Mitteln und Möglichkeiten der Malerei Bilder hybrider Welten, in denen eigene Gesetzmäßigkeiten zu herrschen scheinen? Wie konfrontieren sie den Betrachter mit ihrer Auffassung von ‚Wirklichkeit‘ und den Möglichkeiten bildnerischer Vision? Die Werke der Ausstellung PERFECT WORLD offenbaren keine malerischen Idyllen. Vielmehr vermitteln die drei Maler eine höchst ambivalente Haltung zu der sie umgebenden Umwelt, zu ihrer Geschichtsauffassung wie auch zu ihrem Selbstverständnis als Künstler.


Christian Hellmich, Bühnenbild, 2015
Öl auf Leinwand, 140 x 210 cm
Courtesy Tanja Pol Galerie, München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Christian Hellmich

Christian Hellmich (*1977, Düsseldorf) beschreibt seine Malerei als "modular" - einzelne abstrakte Formen kombiniert er immer wieder zu neuen Bildern und schafft so maltechnisch und kompositorisch komplexe, teils surreal anmutende Bildräume. Für die in seinen Gemälden fragmentarisch zusammengefügten Motive greift Hellmich auf sein Bildarchiv zurück, das aus Fotos, Zeitungsausschnitten, Internetquellen, Postkarten und ähnlichem besteht. Dabei ist sein Vorgehen davon geprägt, wie die Gesellschaft in unserem heutigen mediatisierten Zeitalter mit Bildern umgeht.

Charakteristisch für Hellmichs Malerei ist die Verbindung aus gestisch-abstraktem Malduktus und der asymmetrischen Anordnung von Farbflächen, aus der er eine geometrische, rasterartige Aufgliederung der Bildfläche entwickelt. Dabei vermeidet der Künstler stets eine einheitliche Perspektive, verschiedene Raumvorstellungen durchdringen sich gegenseitig, mehrere Bildebenen erscheinen simultan und erzeugen so ein Spannungsverhältnis zwischen Zwei- und Dreidimensionalität.

Hellmichs bildnerischer Ansatz zielt nicht auf die mimetische Wiedergabe ‚realer‘ Räume. Vielmehr richtet sich Hellmichs Interesse darauf, mit malerischen Mitteln imaginäre Räume zu erschaffen, hybride Welten, in denen eigene Struktur- und Formgesetze herrschen und die Konfrontation des Betrachters mit dem Unspezifischen die Sehnsucht nach identifizierbaren und assoziativen Inhalten weckt.


Sven Kroner, Am Rhein 2, 2010
Acryl auf Leinwand, 170 x 270 cm
Courtesy Galerie Fons Welters, Amsterdam
© Sven Kroner

Sven Kroner

Endzeitliche Szenerien, schwebende Supertanker, überflutete Landschaften, der Blick durch das Fenster seines Ateliers: Sven Kroner (*1973, Kempten) blendet in seinen Bildpanoramen gewöhnliche Alltagsszenen und Relikte des Industriezeitalters ineinander. Häufig vermitteln seine Werke eine unwirkliche, scheinbar romantisierende Stimmung, doch wird diese sofort wieder durch ein Gefühl tiefer Verunsicherung ironisch gebrochen - ein signifikantes Merkmal der Arbeiten Sven Kroners.

Subtil leitet der Künstler den Betrachter in seine Vorstellung von der Welt. Mit den Mitteln der Malerei verschmilzt er persönliche Eindrücke realer Plätze mit visionären ‚Nicht-Orten‘ (Utopie, griech. οὐ-tópos) und erschafft so ‚Ideenbilder‘, fiktive Orte, an denen sich ein Kräftemessen zwischen Mensch und Natur abzuspielen scheint. Immer wieder demonstriert die Natur ihre Macht und Überlegenheit gegenüber dem in seiner Natürlichkeit domestizierten Menschen, der glaubt, sie beherrschen zu können.

Wie in einem Traum verbinden sich in Kroners Werken historische Fakten, gegenwärtige Möglichkeiten und Zukunftsszenarien. Damit oszillieren seine Gemälde zwischen Realität und Vorstellung, Gegenständlichkeit und Abstraktion, Tradition und Innovation, zwischen Ernsthaftigkeit und ironischer Brechung der Themen und implizieren so gleichermaßen ein Spiel mit der Zeit.


Pere Llobera, Yinx, 2016
Öl auf Leinwand, 61 x 74 cm
Courtesy Galerie Fons Welters, Amsterdam
© Pere Llobera
Foto: Gert Jan van Rooij

Pere Llobera

Auch die Werke von Pere Llobera (*1970, Barcelona) zeichnen sich durch eine thematische wie auch stilistische Pluralität aus, die sie jeder eindeutigen Klassifizierung entzieht. Die Darstellungen privater Welten und unscheinbar wirkender alltäglicher Momente  durchdringen einander, wobei die zeitlosen Bildpanoramen des spanischen Malers häufig mit historischen Zitaten besetzt sind.

Eine zentrale Bezugsquelle für Lloberas künstlerische Auseinandersetzung mit Traum und (Anti-)Utopie ist immer wieder seine Beschäftigung mit den literarischen Werken von Kenneth Patchen, Aldous Huxley und anderen Autoren der ‚Beat Generation‘, deren Werke sich durch einen sprunghaften Stil und exzentrische Brüche innerhalb der Erzählstruktur auszeichnen.

Lloberas Werke sind von großer Ernsthaftigkeit geprägt. Gleichzeitig vermitteln sie eine düster-melancholische Stimmung des Scheiterns, ein Gefühl von Unvollkommenheit, sie behandeln die Krise des Ichs in einer Welt, in der die Überwachung des Einzelnen und die damit einhergehende, meist unbewusst stattfindende Selbstzensur nur noch die Flucht in eine Scheinwelt zeitigt, als Beleg für die absurde Suche nach Stabilität und verbindlichen Werten.


Zur Ausstellung erscheint im Februar 2017 ein begleitender Katalog mit zahlreichen Werkabbildungen und Textbeiträgen von Melitta Kliege, leitende Kuratorin im Neuen Museum, Staatl. Museum für Kunst und Design in Nürnberg, Raimund Stecker, Professor für Kunstwissenschaft an der Hochschule der bildenden Künste Essen und Vorstand der Ernst Ludwig Kirchner Gesellschaft, Berlin sowie Jan T. Wilms, Direktor Kunsthaus Kaufbeuren und Kurator der Ausstellung.


"PERFECT HOME" - Workshop für Erwachsene
am Sonntag, 12. Februar 2017, 14:00 bis 17:00 Uhr
30 Euro pro Person

Das Kunsthaus Kaufbeuren

Kunsthaus Kaufbeuren - Außenansicht

Das Kunsthaus versteht sich als Forum zur Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur der Vergangenheit und der Gegenwart, als zentralen Ort für das kulturelle Leben der Stadt Kaufbeuren.

Die Form spiegelt die Stadtgeschichte

Im Jahr 1996 wurde das kunsthaus in einem bemerkenswerten Neubau in der Altstadt von Kaufbeuren eröffnet. In seiner äußeren Form, mit dem schmalen Baukörper und dem steilen Dach, erinnert das Haus an die mittelalterlichen Salz- und Kornstadel. In Material und Details modern, passt sich der Bau in der städtebaulichen Konzeption und Architektur der Altstadtstruktur an. Auf zwei Etagen stehen rund 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Jährlich bis zu vier Ausstellungen

Das Kunsthaus zeigt wechselnde Ausstellungen vor allem zur Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts und zu kulturhistorischen Themen: Das Spektrum reicht von Einzelpräsentationen international bekannter Künstler, thematischen und historischen Ausstellungen bis zu junger Kunst. Es werden drei bis vier Ausstellungen pro Jahr in den Bereichen Fotografie, Bildhauerei, Malerei, Grafik und Videokunst gezeigt.

Von Barlach bis Toulouse-Lautrec

Bisher zeigte das Kunsthaus die Werke so herausragender Künstler wie Ernst Barlach, Paul Cézanne, Edgar Degas, Jean Dubuffet, Marcel Duchamp, Olafur Eliasson, Hans-Peter Feldmann, Lucio Fontana, Gilbert & George, Andreas Gursky, Keith Haring, Damien Hirst, Per Kirkeby, Imi Knoebel, Käthe Kollwitz, Yayoi Kusama, Henri Laurens, Sol LeWitt, Roy Lichtenstein, Henri Matisse, Giorgio Morandi, Yasumasa Morimura, Claes Oldenburg, Auguste Renoir, Pipilotti Rist, Dieter Roth, Daniel Spoerri, Henri de Toulouse-Lautrec, Rosemarie Trockel, Andy Warhol u.v.a., stellte aber auch zahlreiche junge, noch weitgehend unbekannte künstlerische Positionen vor.

Begleitprogramm zu den Ausstellungen

Zu den Ausstellungen werden Führungen, Workshops mit Künstlern, Vorträge und andere begleitende Veranstaltungen angeboten. Dabei hat die Zusammenarbeit mit lokalen und überregionalen Institutionen einen hohen Stellenwert. Ein eigenes Programm führt Kinder an die Ausstellungen heran, dabei haben sie die Möglichkeit, selbst kreativ tätig zu werden.

Das kunsthaus kaufbeuren sieht sich sowohl als Bestandteil des Kaufbeurer Kulturlebens als auch als Ort, der eine Auseinandersetzung mit internationalen Tendenzen der Kunst und Kultur sucht.

Kunsthaus Kaufbeuren - Innenansicht

Kontakt und Öffnungszeiten

Kunsthaus Kaufbeuren
Spitaltor 2
87600 Kaufbeuren

Tel.:
08341 8644 08341 8644
Fax: 08341 8655

Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11:00 bis 18:00 Uhr - Donnerstag von 10:00 bis 20:00 Uhr - Montag geschlossen (ausgenommen Feiertage - Maria Himmelfahrt am Montag, 15. August 2016 geöffnet)

Parken Sie im "Parkhaus am Kunsthaus", Alte Weberei 4 - 530 Stellplätze - Einfahrtshöhe: 2,05 Meter