Kleine Geschichte der Stadt Kaufbeuren

Historischer Sitzungssaal im Kaufbeurer Rathaus

Die Entstehung des Namens "Kaufbeuren"

Im 12. Jahrhundert (ab 1116) werden Buron, Buoron, Bueron, Pourren, Buren, Burun, Buron, Burron, u.ä. Begriffe verwendet. Im Jahr 1301 erscheint erstmals "Kufburun", dann vereinzelt im 14. Jahrhundert (überwiegend und schließlich vorherrschend ab 1413) Kuf-, Koufburen u.ä.

Neben althochdeutsch "bur" eine Weiterbildung "burja", Dativ Plural "buron", später "beuren". Das Wort bedeutet "bei (zu) den Häusern". Die ältere einheimische Bevölkerung sagt auch heute noch nur "Beuren".

Das später zur Unterscheidung vom benachbarten Oberbeuren eingeführte Bestimmungswort "Kauf-" deutet auf die Möglichkeit, hier zu kaufen und zu verkaufen.

Quelle: Nach Egon Guggemos, kaufbeurer abc, 1997, Seiten 95 und 96

Reichsstadt und Wohlstand

Kaufbeuren, um 740 als fränkischer Militärstützpunkt gegründet und um 1112 erstmals urkundlich erwähnt, wurde im 13. Jahrhundert Reichsstadt und gelangte im Spätmittelalter zu beachtlichem Wohlstand. Davon zeugen heute noch imposante Bauten wie die Stadtmauer und die Kirchen St. Martin und St. Blasius.

Die Kaiser-Max-Straße erinnert an Kaiser Maximilian I., der während seiner Regierungszeit (1493 bis 1519) häufig zu Gast in Kaufbeuren war.

Von der Reformation zum Wirtschaftswunder

Im  Reformationszeitalter schloss sich, wie in den anderen süddeutschen Reichsstädten, der überwiegende Teil der Bürger der evangelischen Lehre an. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) bedeutete auch für Kaufbeuren eine Katastrophe nie dagewesenen Ausmaßes. 1648 zählte es nur noch 800 Bürger, konnte sich danach aber wieder erholen.

1802/03 endete die Jahrhunderte lange Reichsfreiheit - Kaufbeuren wurde bayerisch. Das bald einsetzende Zeitalter der industriellen Revolution (Baumwollspinnerei und -weberei 1839, Eisenbahnanschluss 1847) brachte Kaufbeuren einen ungeahnten Aufschwung. Zwischen 1800 und 1900 nahm die Einwohnerzahl von 3.000 auf 9.000 zu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen die Entstehung von Neugablonz, der größten geschlossenen Vertriebenensiedlung, und der wirtschaftliche Aufschwung in der Zeit des Wirtschaftswunders die Einwohnerzahl schließlich bis auf 43.000 steigen.

Eine kurze Kaufbeurer Stadtchronik

750
Gründung eines karolingischen Königshofes als militärischer Stützpunkt und administratives Zentrum eines fränkischen Königsgutsbezirkes

um 1116
Erste urkundliche Erwähnung

1167
Nach dem Aussterben der Freiherrn von Beuren wird das predium Buron (Kaufbeuren) von Kaiser Friedrich Barbarossa zunächst Welf VI. zu Lehen gegeben und nach dessen Tod von den Staufern als erledigtes Reichslehen eingezogen

1191
Kaiser Heinrich VI. in Kaufbeuren

1200
Stadtgründung durch die Staufer

1240
In der ersten mittelalterlichen Königsurkunde in deutscher Sprache nennt König Konrad IV. Kaufbeuren "unsere stat ze Bueron"

1268
Nach dem Untergang der Staufer wird Kaufbeuren Reichsstadt

1286
Bestätigung der reichsstädtischen Rechte und Freiheiten durch König Rudolf von Habsburg

1324
Erste Erwähnung des Rates der Stadt

1325
Großer Stadtbrand

1383
Erste Erwähnung des Bürgermeisters

1418
Verleihung des Blutbannes durch König Sigismund

1530
Verleihung des Münzrechts durch Karl V.

1802
Mediatisierung der Reichsstadt Kaufbeuren

1847
Anschluss an das Eisenbahnnetz

1879
Rathaus-Neubau durch Georg Hauberrisser

1935
Übernahme des Luftlandeplatzes durch die Luftwaffe

1946
Ansiedlung der sudetendeutschen Gablonzer Glas- und Schmuckwarenindustrie auf dem Gelände der ehemaligen Dynamit AG, Aufbau des Stadtteils Neugablonz

1972
Gebietsreform, Eingemeindung von Hirschzell, Kleinkemnat und Oberbeuren

Das Stadtwappen

Das Kaufbeurer Stadtwappen

Blasonierung

Im gespaltenen Schild, heraldisch rechts in Gold ein aus der Innenwand hervorgewachsener halber schwarzer Adler, heraldisch links in Rot ein goldener Rechtsschrägbalken begleitet von zwei sechseckigen goldenen Sternen.

Geschichte

Der Adler (erstmals 1323 im Stadtwappen) geht auf die ehemalige freie Reichsstadt zurück. Bereits seit 1286 / 87 ist der Schrägbalken mit den beiden Sternen im Stadtwappen.

Der Stern, der bereits im ersten Wappen von 1286 erscheint, soll das Wappen der Edlen von Beuren gewesen sein. Die heutige Form des Stadtwappens besteht seit etwa 1449 und wurde zusammen mit dem älteren Wappen jahrhundertelang nebeneinander gebraucht.

Nach dem Ende der Reichsstadtherrlichkeit im Jahre 1803 wurde der Adler aus dem Wappen verbannt. Dann war wieder bis 1892 die älteste Form des Wappens im Gebrauch. Anschließend kam der Adler im Stadtwappen wieder zu Ehren mit Rot als Feldfarbe. Die Schildhälfte mit dem Adler hatte Schwarz und Gold als die Farben des Reiches.